Stell Dir vor, Du hast in der 10. Klasse keine Lust mehr. Die Noten reichen für den Realschulabschluss, aber die klassische gymnasiale Oberstufe fühlt sich an wie ein 45-Minuten-Käfig. Du willst weiter lernen, aber anders. Nicht weniger, sondern gründlich! Nicht schneller, sondern so gründlich, dass Du in 20 Jahren noch etwas davon hast. Genau für diesen Moment gibt es seit 1974 eine Schule in Bielefeld, die kaum jemand kennt und die trotzdem seit über 50 Jahren eine Antwort auf die Frage gibt: Wie kann Sekundarstufe II eigentlich aussehen, wenn wir sie noch einmal von vorn denken?
Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist keine normale gymnasiale Oberstufe. Es ist eine staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen, angesiedelt direkt auf dem Campus der Universität, wissenschaftlich begleitet, seit fast einem halben Jahrhundert im Erprobungsmodus. Vier Jahre Kolleg-Zeit statt drei, zwei individuelle Schwerpunkt-Fächer, 90-Minuten-Blöcke statt Gong-Getakt, Aufnahme auch ohne mittleren Schulabschluss, offene Prüfungsformen, gemeinsame Mensa mit Studierenden. Und ich, Marian Zefferer, finde: Diese Schule verdient viel mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt.
Die Grundidee: Sekundarstufe II als Übergang
Hartmut von Hentig hat das Oberstufen-Kolleg zusammen mit der Laborschule Bielefeld 1974 gegründet. Beide Schulen bilden bis heute ein pädagogisches Zwillings-Modell an der Universität Bielefeld. Dieselbe Adresse & wissenschaftliche Begleitung, aber zwei völlig verschiedene Aufgaben. Die Laborschule kümmert sich um die Jahrgänge 0 bis 10. Das Oberstufen-Kolleg fängt danach an und will etwas leisten, das man in Deutschland so nur an dieser einen Adresse findet: die klassische gymnasiale Oberstufe mit dem Anfangsstudium an der Universität zu verbinden.
Die Idee dahinter: Die letzten drei Jahre Gymnasium und die ersten Semester Studium sind inhaltlich viel enger verwandt, als das trennende Schulmauern und Studienordnungen vermuten lassen. Beides ist Übergangszeit. Beides fragt vom Lernenden mehr Eigenverantwortung. Beides wird durch Frontal-45-Minuten-Häppchen eher verhindert als befördert.
Das Oberstufen-Kolleg macht also aus zwei Ausbildungsabschnitten eine gemeinsame Bildungszeit von vier Jahren. Die Kollegiaten – so heißen die Schüler dort – arbeiten von Anfang an mit zwei individuell gewählten Schwerpunkt-Fächern, sitzen in 90-Minuten-Blöcken, nehmen an Uni-Vorlesungen teil, wenn es passt, und schreiben statt Klausuren manchmal eine umfangreiche Facharbeit oder legen ein mündliches Kolloquium ab. Der Abschluss: allgemeine Hochschulreife, staatlich anerkannt. Zusätzlich gibt es ein internes „Kollegzertifikat“, das die individuellen Schwerpunkt-Leistungen dokumentiert.
Für wen diese Schule wirklich da ist
Hier wird es politisch interessant. Das Oberstufen-Kolleg nimmt bewusst Menschen auf, die im gymnasialen Regelsystem nicht landen oder dort keinen Platz mehr finden. Das können Realschulabsolventen sein, die klassisch weiterlernen wollen, ohne den Umweg über eine ganz normale Oberstufe zu gehen. Es können junge Erwachsene mit mittlerem Abschluss und ein paar Jahren Berufserfahrung sein. Es können, wie das Deutsche Schulportal 2018 in einer Reportage über die „gestreckte Eingangsphase“ dokumentiert hat, junge Geflüchtete sein, die vor drei Jahren noch kein Wort Deutsch konnten und jetzt auf ihr Abitur zulaufen.
Das ist der Punkt, an dem ich (Marian Zefferer) den Kopf schüttele über die weitverbreitete Rede, wir hätten in Deutschland „besonders intelligente“ und „besonders nicht so intelligente“ Kinder. Diese Sortierlogik ist meiner Erfahrung nach Blödsinn – mit Ausnahme klarer klinischer Ausnahmefälle, um die es hier gar nicht geht. Mit dem allergrößten Teil der Menschen kann man sehr viel erreichen, wenn man ihnen die passende Umgebung anbietet. Das Oberstufen-Kolleg führt seit fünfzig Jahren den empirischen Nachweis, dass ein Mensch, der im normalen Gymnasialschritt-Takt gescheitert ist oder erst gar nicht dort ankam, mit vier Jahren Kolleg-Zeit, individuellen Schwerpunkten und einem 90-Minuten-Rhythmus zum vollwertigen Abiturienten reifen kann. Das ist keine soziale Wohltat. Das ist der schlichte Beweis, dass unsere Standard-Oberstufe nicht die einzige mögliche Form ist.

Wie der Alltag am Oberstufen-Kolleg aussieht
Ein typischer Kolleg-Tag beginnt um 8:30 Uhr und geht bis 16:00 Uhr – Ganztagsbetrieb, denn zwei Schwerpunktfächer, Ergänzungskurse, Projekt- und Selbstlernzeit brauchen Raum. Der Takt: 90 Minuten. Das ist bewusst so gesetzt und einer der zentralen Unterschiede zum Regel-Gymnasium. In einer 45-Minuten-Stunde beginnt gerade das Nachdenken, wenn schon der nächste Gong kommt. In 90 Minuten hast Du wirklich Zeit, in ein Thema hineinzukommen, Sackgassen auszuprobieren, ein Experiment aufzubauen und wieder abzubauen, einen Text tatsächlich zu Ende zu lesen. Meine eigene Erfahrung aus zwölf Jahren Trainings- und Seminararbeit deckt sich vollständig damit: Unter 90 Minuten kannst Du kaum etwas wirklich Neues verankern. Alles kürzere ist bestenfalls Anteasern. Ich würde mich nicht einmal dem 90-Minuten-Takt unterordnen – manchmal braucht es 120 oder 180 Minuten. Aber 90 sind definitiv besser als 45.
Der Unterricht selbst folgt keinem einheitlichen Ideal, sondern lebt vom pädagogischen Anspruch der Versuchsschule: Immer wieder ausprobieren, immer wieder evaluieren, dokumentieren, öffentlich stellen. Im Ökologie-Raum wird tatsächlich gepflanzt und beobachtet – bei einem Erasmus+-Projekt zum Thema „Wiederherstellung von Ökosystemen“ haben Kollegiaten mit Partnerschulen in mehreren Ländern gearbeitet und Böden untersucht statt Erdkunde-Klausuren zu schreiben. Es gibt eine Windsurf-Exkursion nach Narbonne Plage im Sportleistungskurs, weil Sport eben mehr ist als 45 Minuten Hallenbelag. Und es gibt schriftliche Arbeiten von 20 Seiten Länge, als tiefe Übung im Schreiben eines echten Textes, den man später an der Universität ohnehin schreiben muss.
Räumlich sitzt das Ganze auf einem gemeinsamen Gelände mit der Laborschule und der Universität. Kollegiaten essen in derselben Mensa wie Studierende, nutzen dieselbe Bibliothek, laufen sich mit Doktoranden auf dem Flur über den Weg. Das ist die logische Konsequenz aus der Grundidee: Wer sich auf ein Studium vorbereiten soll, sollte in einer Umgebung leben, die schon danach riecht.
Was Zensuren am Kolleg nicht können und was stattdessen zählt
Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld hat 2014 einen Film gedreht, dessen Titel Programm ist: „Was Zensuren verschweigen“. Die Kernfrage: Messen Noten tatsächlich Leistung? Die Kern-Antwort dieser und ähnlicher deutscher Leistungsmessungs-Forschung lautet seit Jahrzehnten: Nein, nicht zuverlässig. Dieselbe Klausur, dieselben Antworten, unterschiedliche Lehrer, unterschiedliche Zensuren. Und in den Fächern, in denen wir uns Objektivität besonders einbilden – Mathematik, Physik – ist die Bewertungs-Streuung am größten, nicht am kleinsten!!!
Das Oberstufen-Kolleg reagiert darauf pragmatisch. Es gibt Zensuren, wo sie das Landesrecht verlangt, sonst wäre das Abitur nicht anerkennbar. Aber daneben, und im Alltag oft wichtiger, laufen andere Instrumente: schriftliche Rückmeldungen zu einzelnen Arbeiten, mündliche Kolloquien, das oben genannte Kollegzertifikat mit Kompetenz-Beschreibungen. Und die Kernfrage der Rückmeldung lautet nicht: „Wie steht Deine Leistung im Vergleich zu den anderen?“, sondern: „Wo stehst Du gerade – und wo kannst Du als Nächstes hin?“ Das ist ein Unterschied von Welten, den Reinhard Kahl in seinen „Treibhäusern der Zukunft“ ausführlich dokumentiert hat.
Wusstest Du?
Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist bundesweit die einzige staatliche Versuchsschule für die Sekundarstufe II. 2010 hat der Deutsche Schulpreis das Kolleg für seine „vorbildliche pädagogische Praxis“ ausgezeichnet – zusammen mit der Helene-Lange-Schule Wiesbaden und wenigen anderen der zu diesem Zeitpunkt seltenen echten Reform-Vorreiter.
Selbstbestimmung ist eine Strukturfrage
Wer in Bildungsdebatten „Selbstbestimmung“ hört, denkt oft an Chaos oder an ideologisch verklärte Freiheit. Der klügere Rahmen kommt aus der Motivationsforschung. Deci und Ryan haben in ihrer Selbstbestimmungstheorie drei Grundbedürfnisse identifiziert, die entscheiden, ob ein Mensch mit Freude bei einer Sache bleibt: Autonomie (ich habe Wahlmöglichkeiten), Kompetenz (ich erlebe, dass ich weiterkomme) und soziale Eingebundenheit (ich gehöre dazu, ich werde gesehen).
Genau diese drei Zutaten treffen sich am Oberstufen-Kolleg an mehreren Stellen gleichzeitig. Die zwei Schwerpunkt-Fächer werden gewählt, nicht zugewiesen – Autonomie. Die 90-Minuten-Blöcke, die längeren schriftlichen Arbeiten und die Facharbeiten geben genug Zeit, damit tatsächliches Können sichtbar wird – Kompetenz. Und die Ganztagsstruktur mit gemeinsamer Mensa, festen Bezugsgruppen und der Nähe zu Uni-Umfeldern macht aus einer Ansammlung von Kollegiaten eine Gemeinschaft – soziale Eingebundenheit. Es ist kein Zufall, dass das Ganze funktioniert. Es ist gutes handwerkliches Design.

Was der Rest des Bildungssystems vom Kolleg lernen kann
Man muss nicht die ganze deutsche Sekundarstufe II umkrempeln, um vom Oberstufen-Kolleg zu profitieren. Es reichen die richtigen Elemente an der richtigen Stelle. Fünf davon halte ich für besonders lohnend zum Nachmachen.
- 90-Minuten-Blöcke statt 45-Minuten-Häppchen. Vertiefte Auseinandersetzung braucht Zeit. Wer das ernst nimmt, restrukturiert den Stundenplan zumindest teilweise. Viele Gymnasien tun das inzwischen – es hilft.
- Individuelle Schwerpunkte statt Universal-Curriculum. Wenn ein Jugendlicher in Mathematik plus Chemie brennen kann, statt zwölf Fächer gleich schlecht zu bearbeiten, gewinnen alle. Der Regelfall der klassischen deutschen Oberstufe unterschätzt, wie stark Fokus die Motivation trägt.
- Prüfungsformen jenseits der Klausur. Facharbeit, Kolloquium, Projektpräsentation, wissenschaftlicher Vortrag: Wer die Bandbreite echter akademischer Ausdrucksformen früh übt, tut sich später an der Universität leichter – und lernt nebenbei, was wissenschaftliches Arbeiten wirklich ist.
- Rückmeldung, die weiterhilft, statt Noten, die sortieren. Ein „Wo stehst Du und wo geht es als Nächstes hin?“ ist pädagogisch mehr wert als eine „3+“.
- Räumliche Nähe zwischen Schule und Hochschule. Nicht jede Schule kann auf einem Uni-Campus liegen. Aber Kooperationen mit Fachhochschulen, Frühstudien-Programme und gegenseitige Hospitationen sind fast überall möglich. Das Oberstufen-Kolleg zeigt, was daraus entstehen kann, wenn man Übergänge nicht als Klippe, sondern als Zone denkt.
Kritische Punkte
Das Oberstufen-Kolleg ist eine Versuchsschule und keine Wunderfabrik. Es gibt Kollegiaten, die auch hier scheitern. Es gibt Debatten darüber, ob vier Jahre nicht doch ein Jahr zu lang sind, wenn man später keine Regelstudienzeit verlieren will. Es gibt die alte Frage, ob eine so aufwendig begleitete Schule sich flächendeckend übertragen lässt. Bei dem wenigen Geld, das Deutschland für Bildung ausgibt, ist die ehrliche Antwort: nicht 1:1. Was übertragbar ist, sind einzelne Prinzipien.
Praxistransfer: Was Du damit heute anfangen kannst
Wenn Du eine Oberstufe leitest, in einem Kollegium sitzt, eine Bildungspolitikerin bist oder ein Kind hast, das gerade an der Frage nach dem Abitur-Weg knabbert – hier sind konkrete Umsetzungs-Ideen:
- Hospitation vor Ort. Das Oberstufen-Kolleg empfängt Fachbesuche. Ein Tag reicht, um Rhythmus, Räume, Gespräche mit Kollegiaten zu erleben. Termine über die Wissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg (WE_OS) an der Uni Bielefeld.
- Ein Fach im 90-Minuten-Takt umbauen. Wenn Du im klassischen Gymnasium arbeitest, fang mit einem einzigen Fach an. Beobachte, wie sich Aufgabenstellungen ändern, wenn Du die Zeit hast.
- Prüfungs-Diät im Kollegium besprechen. Wie viele Klausuren müssen es wirklich sein, welche kannst Du durch eine Facharbeit ersetzen? Meist erlauben die Landes-Verordnungen mehr Spielraum, als im Alltag genutzt wird.
- Für Jugendliche mit gebrochener Bildungsbiografie den Kolleg-Weg mitdenken. Der Weg über das Oberstufen-Kolleg oder ähnliche Modelle wie Kollegs und Abendgymnasien ist eine echte Option, die im Schul-Beratungsgespräch oft untergeht.
- Als Elternteil zurückatmen. Wenn Dein Kind in der 10. mit dem Regelgymnasium hadert, gibt es Wege. Das Standard-Abi in drei Jahren ist einer davon, nicht der einzige. Auch alternative Wege ohne klassischen Unterricht zeigen, dass Sekundarstufen-Bildung mehr Formen kennt, als der Schulbezirk anbietet.
Impuls für heute
Nimm Dir zehn Minuten und schreib auf, was Du in Deiner eigenen Oberstufe gebraucht hättest, aber nicht bekommen hast. Danach schau, welcher einzige Punkt davon in Deinem heutigen Handlungsspielraum liegt und setz ihn um.
Warum ich diese Schule wichtig finde
Ich glaube nicht, dass jede Sekundarstufe II morgen zum Kolleg werden muss. Ich glaube aber, dass wir Schulen wie die Alemannenschule Wutöschingen, die Neue Schule Hamburg, die Laborschule und das Oberstufen-Kolleg als das lesen sollten, was sie sind: konstante Erinnerung daran, dass unser Regel-Bildungssystem eine historisch gewachsene Form ist, nicht die einzige mögliche. Und jede dieser Erinnerungen wirkt in der Bildungspolitik als kleines Fenster, durch das ein bisschen mehr Sauerstoff hereinweht.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist eine staatliche Versuchsschule für die Sekundarstufe II, gegründet 1974 zusammen mit der Laborschule Bielefeld.
- Vier Jahre Kolleg-Zeit statt drei Jahre gymnasiale Oberstufe. Zwei individuelle Schwerpunkt-Fächer, 90-Minuten-Blöcke, Ganztagsbetrieb.
- Aufnahme auch ohne mittleren Schulabschluss möglich – Zielgruppe sind Realschulabsolventen, junge Erwachsene mit Berufserfahrung, geflüchtete Jugendliche und andere, die im Regelsystem keinen Platz finden.
- Direkt auf dem Campus der Universität Bielefeld: gemeinsame Mensa, gemeinsame Bibliothek, Berührung mit Uni-Vorlesungen ab Tag eins.
- Prüfungsformen jenseits der klassischen Klausur: Facharbeiten, mündliche Kolloquien, Kollegzertifikat.
- 2010 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.
- Übertragbare Prinzipien: 90-Minuten-Takt, individuelle Schwerpunkte, offene Prüfungen, Rückmeldung statt Sortierung, räumliche Nähe zwischen Schule und Hochschule.
Häufige Fragen
Wer kann sich am Oberstufen-Kolleg Bielefeld bewerben?
Grundsätzlich Realschulabsolventen und Menschen mit gleichwertigem Abschluss aus ganz NRW. Es gibt jedes Jahr ein Aufnahmeverfahren, das über die Website des Kollegs abgewickelt wird. Auch Menschen mit einer nicht-linearen Bildungsbiografie – Berufserfahrung, Flucht, Umwege – sind ausdrücklich willkommen.
Wie lange dauert das Abitur am Oberstufen-Kolleg?
In der Regel vier Jahre statt der klassischen drei Jahre gymnasialer Oberstufe. Diese gestreckte Zeit ist Programm: Sie ermöglicht Vertiefung, individuelle Schwerpunktbildung und die Einarbeitung von Uni-nahen Formaten. Der Abschluss ist ein staatlich anerkanntes Abitur.
Kostet das Oberstufen-Kolleg Schulgeld?
Nein. Das Oberstufen-Kolleg ist eine staatliche Schule des Landes Nordrhein-Westfalen. Es gibt kein Schulgeld. Wie an anderen staatlichen Schulen fallen nur die üblichen Lernmittelkosten an.
Ist das Kolleg-Abitur überall in Deutschland anerkannt?
Ja. Das am Oberstufen-Kolleg erworbene Abitur ist eine allgemeine Hochschulreife und wird bundesweit an allen Hochschulen anerkannt.
Was unterscheidet das Oberstufen-Kolleg vom Oberstufenkolleg oder Kolleg in anderen Bundesländern?
„Kollegs“ gibt es auch in anderen Bundesländern, meist als Weg zum Abitur für Erwachsene mit Berufserfahrung. Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist etwas anderes: eine staatliche Versuchsschule mit universitärer Anbindung, wissenschaftlicher Begleitung und Reformauftrag. Diese Kombination ist bundesweit einmalig.
Glossar
- Versuchsschule: Eine gesetzlich als Ausnahme genehmigte Schule, die neue Formen des Lehrens und Lernens erproben, evaluieren und dokumentieren soll.
- Sekundarstufe II: Die Jahre nach der 10. Klasse – je nach Modell 11 bis 13 oder eben, wie am Kolleg, vier gestreckte Kolleg-Jahre.
- Wahllaufbahn: Individuelles Kurs- und Fächer-Programm, das ein Kollegiat aus einem Angebot zusammenstellt – mit zwei Schwerpunkten und mehreren Ergänzungskursen.
- Kollegzertifikat: Ein zusätzlicher Abschlussnachweis des Oberstufen-Kollegs, der Kompetenzen und Leistungen in den individuellen Schwerpunkten dokumentiert.
- APO-OS: „Verordnung über die Ausbildung und Prüfung am Oberstufen-Kolleg an der Universität Bielefeld“ – die gesetzliche Grundlage des Modells.
Quelle
- Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223-238. https://www.pedocs.de/volltexte/2017/11173/
- Kahl, R. (2004). Treibhäuser der Zukunft: Wie in Deutschland Schulen gelingen. Archiv der Zukunft. https://www.reinhardkahl.de/treibhaeuser-der-zukunft/
- Thurn, S., & Tillmann, K.-J. (Hrsg.). (2011). Laborschule – Schule der Zukunft. Klinkhardt.
- von Hentig, H. (1993). Die Schule neu denken. Eine Übung in praktischer Vernunft. Hanser.
- von Hentig, H. (2006). Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein. Beltz.
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Autor: Marian Zefferer, MSc
Psychologe, Papa, NLP-Lehrtrainer & Autor von Bildungsimpuls.com. Dort lebe ich meine Vision, einen Beitrag für unser marodes Bildungssystem zu liefern, damit Lernen wieder geil wird und Bildung als das gesehen wird, was es ist: das geistige Gold der Gesellschaft.

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